Mediale Überflieger im Sport | HORIZONT

Sportevents sind nach wie vor ein TV-Quotengarant. Dies gilt insbesondere für den Fußball und für viele Wintersportarten. Doch viele Sportarten haben im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Sportfans Schwierigkeiten. Stephan Schröder, Geschäftsführer Nielsen Sports, erläutert im Fachmagazin HORIZONT, warum Sportarten ihre Regeln überdenken und das Erlebnis für den TV-Zuschauer stetig weiterentwickeln sollten.

Um zukünftig vor allem auch ein jüngeres Publikum zu erreichen und an sich zu binden, haben einige Sportarten wie zum Beispiel Biathlon oder Skispringen in der Vergangenheit bereits neue Formate entwickelt.  Stephan Schröder, Geschäftsführer von Nielsen Sports, sieht jedoch einen immer stärker werdenden Wettbewerb der Sportarten untereinander um die Gunst der sportinteressierten TV-Zuschauer:

„Unsere Analysen belegen den Trend, dass sich Sportfans für immer mehr Sportarten interessieren, aber das Interesse meist oberflächlich bleibt. Dazu trägt auch bei, dass die Aufmerksamkeitsdauer der Sportfans allgemein seit Jahren rückläufig ist“

Diese Entwicklung – begünstigt vom stetigen technischen Fortschritt und der stärker werdenden Nutzung mobiler Endgeräte – wird laut Schröder alle Sportarten und Disziplinen im Wettbewerb um Zielgruppen dazu zwingen, ihre Regeln und ihre eingesetzten Medienformate intensiv zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen.

Beispielsweise wird im Tennis – in der deutschen Bevölkerung aktuell nicht unter den zehn beliebtesten Sportarten im TV – versucht, mit der Einführungen von kürzeren Matches oder veränderten Zählweisen im Tiebreak den bereits genannten Entwicklungen entgegenzutreten, um somit gleichzeitig auch wieder an Attraktivität bei den TV-Zuschauern zu gewinnen.

Beliebteste Sportarten im TV: TOP 10 in Deutschland

Gesamtbevölkerung:

Fußball: 51%
Motorsport: 18%
Boxen: 16%
Leichathletik: 16%
Biathlon: 15%
Skispringen: 13%
Schwimmen: 11%
Handball: 10%
Frauenfußball: 10%
Eishockey: 10%

 

14-29 Jahre:

Fußball: 53%
American Football: 15%
Boxen: 13%
Leichathletik: 12%
Biathlon: 12%
Motorsport: 12%
Eishockey: 10%
Basketball: 10%
Schwimmen: 9%
Eiskunstlauf: 9%

Quelle: Nielsen Sports Sponsorlink. Stand: August 2017.

 

Ob dieser Modernisierungserfolg auch beim TV-Publikum Anklang findet, bleibt abzuwarten. Nielsen-Sports-Experte Schröder sagt:

„Die Verantwortlichen beweisen aber den notwendigen Mut, um dem veränderten Mediennutzungsverhalten der Sportfans entgegenzuwirken. Das ist meiner Meinung nach der wichtigste Schritt, um die Relevanz der Sportart im TV hochzuhalten. Diese Veränderungen sind sicherlich nach dem Geschmack der Vermarkter, die schon seit längerer Zeit kürzere Formate und mehr Unterhaltung fordern.“

Für viele Sportarten bleibt es aber eine Gratwanderung zwischen der Erhaltung des ursprünglichen Charakters  der Sportart und dem Ringen um mediale Aufmerksamkeit – hier ist laut Schröder Fingerspitzengefühl gefragt. Erfolgreiche Beispiele sieht er in zwei US-Sportarten:

 „Unsere Studienergebnisse zeigen, dass neben dem Tennis auch Sportarten wie zum Beispiel Biathlon aufpassen müssen, bei der jungen Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen hierzulande nicht aufs Abstellgleis zu geraten. Hier haben es American Football und Basketball mit innovativen Medienformaten geschafft, ein stärker jugendliches Publikum für sich zu begeistern.“

Info

Die Expertise wurde erstellt für HORIZONT (Veröffentlichung: Sportbusiness IV, Ausgabe 47 vom 23. November 2017, S. 40).