Bundesliga als Weltmarke

 

Football SoccerWie sehen die Zukunftspläne der Bundesliga aus? Philipp Kupfer, Director Consulting & Business Development, gibt auf welt.de seine Einschätzung über die Expansionsgedanken der Bundesliga.

Ob Borussia Dortmund oder Bayern München: Die Bundesliga-Klubs wollen international immer bekannter werden. Das bringt nicht nur mehr Geld in die Kasse, sondern wird die Liga nachhaltig verändern.2014 waren alleine zwölf der 18 Bundesligisten auf Werbetour im Ausland – so viele wie nie zuvor.

Bayern München etwa hat in den USA vorgespielt, Werder Bremen in China, Bayer Leverkusen in Südkorea, die TSG Hoffenheim in Indien und der VfB Stuttgart in Südafrika.Denn jenseits der Grenze sitzen mehrere Hundert Millionen Sympathisanten, die zu Fans und dann im nächsten Schritt zu Kunden werden können für Trikots, Schals und am Ende auch Eintrittskarten.Für Engländer zum Beispiel kann es günstiger sein, mit dem Billigflieger nach Deutschland zu kommen und sich ein Bundesligaspiel anzuschauen, als in London zum traditionell hochpreisigen Heimspiel des eigenen Lieblingsklubs zu gehen. Borussia Dortmund etwa verkauft für seine Heimspiele nach eigenen Angaben mittlerweile bis zu 1000 Karten an Fans aus England.

Der Fokus bei den Expansionsplänen der Bundesliga liegt derzeit allerdings weniger auf Pendlern aus Großbritannien. „Im Mittelpunkt stehen oftmals Länder mit hohen Bevölkerungszahlen, guter Mediendurchdringung, steigender Wirtschaftskraft, Affinität zum Fußball und im internationalen Vergleich sportlich schwächeren Ligen“, weiß Philipp Kupfer vom Sponsoringberatungsunternehmen Repucom.

Gemeint seien also Märkte wie die USA, wie China und Indien, wie Japan und Indonesien oder wie Russland und Polen. „Dort suchen sich die Fans ausländische Teams und erfolgreiche Spieler als Idole.“ Und das gerne aus der allerersten Reihe, also von den Mannschaften, die regelmäßig in der Champions League dabei sind, dem wichtigste Klubwettbewerb in der Fußballwelt, der dieser Tage wieder in seine Gruppenphase startet.

Die Vereine müssen in die Welt hinaus“, forderte Karl-Heinz Rummenigge zu Jahresbeginn bei einer Podiumsdiskussion der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur. Wenn die Bundesliga erst Ende August beginnt, schaffe die Liga den Spagat zwischen sportlichen und wirtschaftlichen Interessen. „Die Klubs können ins Ausland, und die Trainer können trotzdem noch eine vernünftige Vorbereitung absolvieren.“

Rummenigge spricht damit die Kehrseite der herbeigesehnten Globalisierung des deutschen Fußballs an. Strapaziöse Werbetouren kurz vor Beginn der Saison stören ganz empfindlich die sportliche Einstimmung auf die neue Saison. Bayern München und Borussia Dortmund mit ihren Luxuskadern dürften noch die geringsten Auswirkungen spüren.

Wenn aber ein Verein aus dem Mittelfeld aufgrund mangelnder Vorbereitung plötzlich in Richtung Tabellenende abrutscht, geraten Existenzen in Gefahr. „In diesen Fällen stellt sich aber ohnehin die Frage, ob manche Vereine schon reif sind für die Internationalisierung oder ob sie nicht erst mal von einer eher regionalen Marke zu einem national beachteten Player werden müssen“, hinterfragt Repucom-Experte Kupfer.

Noch dazu dürfte eine fortschreitende Globalisierung auch an anderer Stelle einen hohen Preis haben: beim Spielplan. Zwar sind die Zeiten mit neun Spielen am Samstagnachmittag längst vorbei. Seit einigen Jahren wird in der Bundesliga mit fünf unterschiedlichen Anstoßzeiten gespielt, darunter einmal freitags und zweimal sonntags.

Um TV-Erlöse zu steigern, könnte der Spielplan noch weiter auseinandergerissen werden. So wie in England, wo auch am Samstagmittag gespielt wird und am Montagabend. Dafür allerdings fließen Millionen, und selbst die Klubs aus der unteren Tabellenhälfte in England können ohne Probleme zweistellige Millionenbeträge für neue Kicker ausgeben. Befreit von der ersten Pokalrunde sind aber auch sie nicht.

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