Die wichtigsten Bewegtbild-Trends im Sport | HORIZONT

Wie in der Unterhaltungsbranche auch, gewinnen Bewegtbildinhalte auch im Sportbereich immer mehr an Bedeutung. Dr. Jan Lehmann, Geschäftsführer von Repucom Deutschland, erläutert im Interview mit HORIZONT, welche Trends im Sportbusiness zu erwarten sind.

Bewegtbildformate gewinnen auch im Sport stark an Bedeutung. Was sind zurzeit die wichtigsten Plattformen?

Jan Lehmann | RepucomDr. Jan Lehmann: In Deutschland gibt natürlich weiterhin YouTube mit großem Vorsprung den Ton an, international spielt auch Dailymotion eine wichtige Rolle. Mit reinem Fokus auf Sportinhalte sind neben SkyGo natürlich noch Eurosport, LaOla und vor allem Perform zu nennen, sowie eine Plattform wie Twitch für e-Sport. Aber auch andere Plattformen wie etwa Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat werden immer relevanter und versuchen, ihre spezifischen Stärken zum Tragen zu bringen.

Künftig werden sicherlich auch Anbieter wie Netflix und Amazon bei Bewegtbildangeboten im Sport an Bedeutung gewinnen. Dank der etablierten millionenfachen Kundenbeziehungen kann ein Unternehmen wie Amazon schnell zu einem wichtigen Player avancieren. Grundsätzlich gilt jedoch: Wenn jemand ein Sportangebot live erleben will, sucht er sich die passende Plattform. Welcher TV-Kanal oder welche digitale Plattform es letztlich ist, spielt für den Nutzer eine untergeordnete Rolle.

Dennoch dürften auf digitalen Plattformen – jenseits von live – andere Formate ziehen als im TV.

Lehmann: In digitalen Medien sind meist kürzere Formate relevanter. Das Nutzerverhalten verändert sich – weg von klassischen Zusammenfassungen, hin beispielsweise zu Near-Live-Formaten wie ein gepushter Kurzclip eines Tores, unmittelbar nachdem es gefallen ist. Im Ausland sind solche Formate schon weiter verbreitet, hierzulande könnte dies insbesondere für Sky bzw. die zukünftigen Rechteinhaber im Fußball relevant werden. Bei einem so werthaltigen Angebot wie Fußball ist dabei natürlich ein entscheidender Faktor, wer zukünftig diese Rechte hält und wie er sie nutzen möchte.

Das explodierende Bewegbildangebot macht es aber schwieriger, Reichweite zu erzielen.

Lehmann: Relevante Inhalte finden in der Regel ihren Weg zum Publikum, nicht zuletzt über virale Effekte in Social-Media-Kanälen. Allerdings sollten die Inhalte so aufbereitet werden, dass sie dem Interesse des Publikums entsprechen. Eine zehnminütige Zusammenfassung nach dem Spiel interessiert künftig nur noch wenige, dankbarer sind meist kürzere spezielle digitale Formate mit einer besonderen, emotionalen, auch lustigen Note.

Die Notwendigkeit der speziellen Aufbereitung erhöht aber Produktionskosten und Aufwand?

Lehmann: Wir haben es mit zwei gegenläufigen Trends zu tun: Grundsätzlich wird die Produktion und Distribution von Bewegtbild immer günstiger und ermöglicht auch Liveberichte von Sportevents, die sonst keine breite mediale Plattform haben. Einen höheren Aufwand verursacht dagegen nicht die Produktion des Videomaterials an sich, sondern der Aufwand, den man betreibt, um dieses durch Bearbeitung und zusätzliche Informationen für spezielle Zielgruppen relevant zu machen. Allerdings entscheidet dabei künftig nicht nur die Manpower, die man einsetzt, denn es gibt immer bessere technische Systeme, die unterstützend bei der Analyse, Sichtung und Aufbereitung eingesetzt werden können.

Wie steht es um die Chancen für die populären oder weniger populären Sportarten, hinter Fußball auf digitalen Plattformen stärker zur Geltung zu kommen?

Lehmann: An der Tatsache, dass Fußball in Deutschland den größten Stellenwert genießt, wird sich auch durch digitale Medien im Grundsatz wenig ändern. Aber an der notwendigen Präsenz auf digitalen Plattformen führt durch die sich wandelnde Mediennutzung kein Weg vorbei. Vor allem kleinere Sportarten sind häufig innovativer und können mit neuartigen Formaten hier durchaus Trends setzen und Aufmerksamkeit generieren. Es lassen sich international auch viele interessante Ansätze beobachten, etwa bei der NFL oder im Radsport.


Das Interview erschien in der Printausgabe der HORIZONT (23/2016 vom 09. Juni 2016, S. 38).