eSports – für alle Branchen interessant | SID

Wer aktuell nach Trends im Sportbusiness sucht, wird eine große Menge an Artikeln über die eSports-Industrie finden. Ein Indiz ist auch, dass immer mehr Journalisten, werbende Unternehmen, Technikkonzerne und sogar Sportpolitiker und -mediziner sich mit der Gaming- und eSports-Branche im Detail beschäftigen.

Laut der Studie Sponsor-Trend 2017 sehen die Sponsoringentscheider in Deutschland, Österreich und der Schweiz in diesem Bereich ein großes Bedeutungswachstum. Auch Nielsen Sports als führendes Forschungs- und Beratungsunternehmen in der Sport- und Entertainmentbranche erforscht den eSports-Bereich bis ins Detail.

Michael Heina, Senior Consultant bei Nielsen Sports, erläutert im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID), warum das Thema eSports in Deutschland eigentlich schon länger etabliert ist:

„Deutschland war im Bereich eSports einer der Vorreiter, etwa mit dem Clan SK Gaming oder heutigen eSports-Riesen ESL. Unsere Studien belegen den Trend, dass die Sponsoringentscheider im deutschsprachigen Markt dem eSports in diesem Jahr eine große Bedeutung beimessen. Insofern bleibt abzuwarten, wie schnell sich die Branche zukünftig professionalisiert, auch im Vergleich zu etablierten Sportarten. Ich kann mir vorstellen, dass eSports sich in Deutschland langfristig als eine der Top-5-Sportarten etabliert.“

 

Wie lukrativ die Branche mittlerweile ist, lässt sich an den Preisgeldern erkennen, die mittlerweile ausgeschüttet werden: Im Jahr 2016 kassierte das Siegerteam beim höchstdotierten Turnier, dem Dota-2-Event The International, rund 8,3 Millionen Euro. Selbst in etablierten „klassischen“ Sportarten sind solche Prämientöpfe nicht häufig vorzufinden.

Ursprünglich waren es branchennahe Firmen wie Hardware-Hersteller – die Sportartikelunternehmen der eSports-Branche -, die als Sponsoren von Teams und Events auftraten. Doch auch für Marken aus IT- und Gaming-fernen Industriezweigen kann sich ein Sponsoring laut eSports-Experte Heina lohnen:

„Ich erwarte aber, dass sich auch Marken aus anderen Industriezweigen in den kommenden Monaten mit eSports auseinandersetzen und prüfen, ob ein eSports-Engagement für sie Sinn macht. Die Bausparkasse Wüstenrot ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich ein Sponsoring für sogenannte nicht-endemische Marken bezahlt machen kann.“

Die Professionalisierung der Branche schreitet natürlich auch unter dem Aspekt der Vermarktung voran. Nielsen-Sports-Experte Heina erläutert, wo eSports im Vergleich zu den klassischen Sportarten etwas Nachholbedarf hat:

„In einigen Bereichen wie beispielsweise der monetären Bewertung von Partnerpaketen kann eSports von etablierten Sportarten noch lernen. Bei der Inszenierung von Events liegen die eSports-Verantwortlichen aber schon auf einem professionellen, hohen Niveau, das man von den Profiligen im Eishockey oder Basketball kennt.“

Das Gespräch wurde mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) geführt (Stand: 18.05.2017).