Die Zukunft der Formel 1 ist digital

Die weltweite Rennserie Formel 1 setzt bisher vorwiegend auf TV-Vermarktung. Mit dem neuen Eigner Liberty soll sich das ändern. Motorsportexperte Friedhelm Lange von Nielsen Sports diskutiert in HORIZONT die Vorteile digitaler Medienkanäle für weltweite Rennserien wie die Königsklasse des Motorsports.

Friedhelm LangeGerade in der jungen Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen tut sich die Formel 1 in den letzten Jahren schwer: waren 2010 noch neun Prozent der Fernsehzuschauer bei Live-Übertragungen aus dieser Altergruppe, sank deren Zahl 2015 auf nur noch sechs Prozent. Nielsen-Sports-Motorsportexperte Friedhelm Lange, Senior Director Business Relations sieht in der Vernachlässigung digitaler Kanäle durch die Formel 1 den Grund für die Abnahme:

„Die jungen Zuschauer wollen digitale Angebote, die bei der Formel 1 aktuell eher bescheiden sind.“

Laut einer Analyse von Nielsen Sports ist die Zahl der Formel-1-Interessierten bei den 16- bis 29-Jährigen in den letzten sechs Jahren von 20 auf 15 Prozent gesunken.

Bei der Gruppe der 50- bis 69-Jährigen ist der Trend entgegengesetzt: 48 Prozent waren 2016 an der Königsklasse interessiert – der Wert liegt um sieben Prozentpunkte höher als 2011. Dennoch sollte allein aus ökonomischer Sicht die jüngere Zielgruppe nicht außer acht gelassen werden:

„Wer auf digitale Angebote verzichtet, verliert wichtige Zielgruppen.“

Denn Nielsen Sports hat herausgefunden, dass die jüngere Zielgruppe für Sportinhalte eine hohe Zahlungsbereitschaft hat. Hochwertige, ergänzende Inhalte zu Sportsendungen seien für sie wichtig, sagt Lange.

Unter Bernie Ecclestone, Geschäftsführer der Formel 1-Holding SLEC, konzentrierte sich die Rennserie vor allem auf das Fernsehen als Ausspielkanal. Lange ist sicher, dass mit dem neuen Eigner Liberty Media Veränderungen bevorstehen, die die Formel 1 wieder näher an die jüngere Zielgruppe heranbringen:

„Liberty hat schon durchblicken lassen, dass man das Thema Bewegtbild in Online-Kanälen offener sieht als Ecclestone und man nicht so dogmatisch das Fernsehen in den Mittelpunkt stellen wird.“

Ob die Formel 1 unter neuem Eigner in Zukunft auch im Onlinebereich Gas geben wird, ist eine der spannendsten Entwicklungen der Zukunft im weltweiten Sportbusiness.


 

Der vollständige Artikel erschien im Report Automarketing von HORIZONT, Ausgabe 41/2016 vom 13. Oktober 2016, S. 84. (mit freundlicher Genehmigung von HORIZONT)