IFS 2014: Jerome Champagne im Gespräch mit FAZ.NET

Jerome Champagne will Joseph Blatter als Fifa-Präsident ablösen. Der Herausforderer plädiert gegenüber FAZ.NET für ein öffentliches Rededuell mit dem umstrittenen Amtsinhaber. Kritik übt Champagne am Umgang von Fifa und Uefa mit der Krim-Krise.

Der Herausforderer Joseph Blatters um die Präsidentschaft beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa), Jerome Champagne, will für den Wahlkongress im nächsten Mai ein öffentliches Rededuell mit dem umstrittenen Fifa-Chef erwirken. „Eine Debatte hinter verschlossenen Türen wäre fatal für das Image der Fifa. Wir brauchen Transparenz. Die Argumente müssen in einer öffentlichen Diskussion vor den Vertretern aller Nationalverbände, die uns wählen sollen, ausgetauscht werden“, sagte der Franzose FAZ.NET am Rande einer Sportmarketingtagung des Marktforschungsinstituts Repucom in Köln.

Eine direkte Auseinandersetzung mit dem mehr als zwanzig Jahre jüngeren früheren Diplomaten hatte der 78 Jahre alte Blatter zumindest für die Zeit vor dem Kongress aber schon für sich ausgeschlossen. Zugleich kündigte Champagne an, dass er erst im letzten Moment die nötigen Nationalverbände nennen wird, die ihm offiziell bei seiner Kandidatur folgen werden. „Ich bin nicht naiv. Ich weiß, dass diejenigen, die hinter mir stehen, auch Ärger riskieren. Da wird es sicher Druck geben. Ich möchte hier nicht zu früh eine Angriffsfläche bieten“, sagte er.

Bis zum 29. Januar müssen die Kandidaten für die Wahl zum Fifa-Präsidenten dem Wahlausschuss fünf Nationalverbände präsentieren, die sie unterstützen. Bisher haben nur Blatter und Champagne, der bis zu seiner Entlassung durch den Fifa-Chef im Jahr 2010 schon in Toppositionen des Weltverbandes gearbeitet hat, ihre Kandidatur angekündigt. Der europäische Fußballchef Michel Platini hat bereits zurückgezogen.

Kritik an der Fifa und der Europäischen Fußball-Union (Uefa) übte Champagne in Bezug auf den Umgang mit der Krim-Krise. Nach der Annektierung der Region durch Russland wurden die ukrainischen Klubs aus Sewastopol und Simferopol neu gegründet und einfach übernommen. Für den russischen Verband, unter dessen Ägide die Angliederung im Fußball stattgefunden hat, gibt es bisher von Seiten der Fifa und Uefa keine Sanktionen. „Es gibt kein Recht, dass diese Klubs jetzt im russischen System spielen“, sagte Champagne FAZ.NET.

Im Werben um die Stimmen gegen Blatter gilt der frühere französische Diplomat bisher als chancenlos. Er setzt sich vor allem für mehr finanzielle Gerechtigkeit, eine Umverteilung der Gelder von den reichen Verbänden und Klubs zu den ärmeren sowie eine politische Neustrukturierung der Fifa als transparentere Organisation ein. Blatter will Ende Mai in Zürich zum fünften Mal zum Fifa-Chef gewählt werden.