Hope for Football | Jérôme Champagne im Interview mit The Wall Street Journal

Im Rahmen des Internation Football Summits 2014 in Köln führte der Kandidat für den Posten des Fifa-Präsidenten und Ex-Fifa-Funktionär Jérôme Champagne ein Gespräch mit The Wall Street Journal. In dem Interview mit Thomas Mersch und Stefan Merx legte Champagne seine Reformpläne und Absichten seiner Kandidatur für das höchste Fifa Amt dar.

Sie haben das Corporate-Responsibility-Motto der Fifa, „Football for Hope“, umgedreht für Ihren Wahlkampf. Sie treten an mit „Hope for Football“ – eine Spitze?

Exakt. Ich bin besorgt um das Spiel. Werden die Fans wegbleiben, wenn die Wettbewerbsintensität verloren geht und damit die Spannung? In der französischen Liga ist es damit aus: Paris St-Germain ist ein katarischer Klub, AS Monaco ein russischer, der nicht mal in Frankreich sitzt und allein deshalb 50 Millionen Euro Vorteil genießt, weil er keine Steuern zahlt. Früher hat die Fifa mit ihrer Corporate-Responsibility-Arbeit versucht, aus dem Fußball heraus Wohltaten für andere Lebensbereiche zu leisten. Jetzt mache ich mir Sorgen um den Fußball an sich – hier muss man eingreifen. Kleines anderes Beispiel: Ich habe einen neunjährigen Jungen. Wie soll der ein respektvolles Verhalten lernen, wenn er sieht, wie erwachsene Männer den Schiedsrichter anbrüllen?

Auch bei Ihrem Vortrag gerade auf dem International Football Summit der Sponsoringberatung Repucom haben Sie kritisch angemerkt, dass katarisches Geld bei Paris St.-Germain dafür sorgt, dass kein spannender Wettbewerb mehr zustande kommt. Wie stehen Sie generell zu Investoren im Fußball?

Ich habe nichts gegen das Geld aus Katar in Paris. Ich habe aber etwas dagegen, wie es ausgegeben wird. Paris St.-Germain hatte eine der besten Jugendakademien, aber selbst die besten Spieler sind fortgegangen, wurden teilweise zu Stars im Ausland, weil sie keine Chance mehr haben, ins Pariser Team zu kommen.

Was Sie da kritisieren, betrifft ja die internen Klubentscheidungen. Was aber könnten Sie strukturell als Fifa-Präsident ändern?

Das Scheckbuch hat vielerorts die Trainingsarbeit ersetzt. Und ich denke, wir müssen den Klubs vorschreiben, dass eine Mindestanzahl von einheimischen Spielern auf dem Platz stehen muss. Als Herr Blatter die 6+5-Regel, wonach sechs einheimische Spieler zur Pflicht werden sollten, gegenüber der EU-Kommission verteidigt hat, habe ich ihn mit voller Überzeugung unterstützt. Große Klubs kaufen heute doch alle guten Spieler vom heimischen Markt – nicht, um sie spielen zu lassen, sondern, damit sie die Konkurrenz nicht bekommt. Es liegt in der Verantwortung der Fifa, das zu korrigieren.

Den Versuch, solche Entwicklungen mit entsprechenden Regeln zu stoppen, gibt es schon länger.

Ja, aber sie haben nichts bewirkt. Wenn die Regel besagt, dass ein Spieler, der im Alter von 15 bis 21 drei Jahre lang im Land gespielt hat, als Einheimischer gilt, dann verstärkt das nur einen Trend: Dass die großen Klubs diese Jungs in noch jüngerem Alter unter Vertrag nehmen.

Zum kompletten Interview auf der online Präsenz des Wall Street Journals: WSJ – Jerome Champagne.