Das Nischenleben der Olympiastars

Michael Ashelm von der FAZ beschäftigt sich mit der ungenügenden Kapitalisierung von sportlichen Erfolgen. Aus aktuellem Anlass geht es um deutsche Olympiasieger in Sochi und deren Probleme ihre sportlichen Erfolge auch in finanziellen Gewinn umzuwandeln.

Neuner & Höfl-Riesch bleiben die Ausnahme

Repucom Olympia

Erfolgreiche Wintersportler werden nicht automatisch vielgebuchte Werbeträger

Selten schaffen es Wintersportler aus ihren sportlichen Erfolgen auch Kapital zu schlagen.  Mit wenigen Ausnahmen, wie beispielsweise Magdalena Neuner, bleibt den meisten Wintersportlern nichts von ihrem sportlichen Triumph um auf lange Sicht sowohl medial eine Rolle zu spielen als auch finanziell abgesichert zu sein.

Ähnlich sieht dies auch Sponsoring-Experte Friedhelm Lange: „Eine Goldmedaille kann für einen Sportler der Startpunkt für lukrative Werbeverträge sein, aber das ist eher die Ausnahme“. So stellt sich sicherlich die Frage ob frisch gebackene Olympiasieger, wie Felix Loch und Natalie Geisenberger oder Skispringerin Carina Vogt und der Sportsoldat Eric Frenzel, durch ihre Erfolge auch entsprechende Werbeverträge abschließen können.

Olympiasieg reicht nicht

Was also ist nötig um den sportlichen Erfolg auch in bare Münze verwerten zu können? Auftritte in Talk-Shows, bei Promi-Galas oder auch Auftritte in der täglichen Abendunterhaltung, all dies trägt zu einem notwendigen Grundrauschen in der Medienlandschaft bei, welches für den Erfolg in der Gewinnung von Werbepartner und Sponsoren unabdingbar ist.

Eine Ausnahme bilden Medienlieblinge wie Magdalena Neuner oder Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch. Trotz ihres frühen Karriereendes schafft es Neuner immer wieder sich durch gezielte Auftritte in der Öffentlichkeit im Gespräch zu halten und sich so auch für potente Sponsoren zu empfehlen.  Wintersportler wie Neuner oder Höfl-Riesch bewegen sich hierbei auf einem ähnlichen Niveau wie einige deutsche Fußballer. Auf schätzungsweise ein bis zwei Millionen sollen sich ihre Werbeeinnahmen belaufen.

Fehlende Wiedererkennbarkeit trotz Olympia-Gold

Für viele Wintersportler der kleineren und weniger beachteten Sportarten ergibt sich ein weiteres großes Problem: Helme, Mützen und Ganzkörperanzüge erschweren die für die Werbewirkung so  notwenige Wiedererkennbarkeit. „Nach seinem Goldtriumph haben wir alle auch mal Felix Loch ohne Helm auf dem Kopf gesehen. Vorher hätte ihn kaum jemand erkannt. Und diese Wiedererkennbarkeit braucht es für Unternehmen, um mit dem Sportler beim Publikum eine prägende Wirkung zu erzielen“, Friedhelm Lange.

Nach seinem ersten Triumph in Vancouver konnte Felix Loch keinen einzigen Sponsor finden, trotz Olympia-Gold. So musste er auch in den vergangenen Jahren mit seinem Gehalt als Polizeimeister sowie Zuwendungen der Sporthilfe auskommen. Mehr als 60% aller Wintersportler vereint dieses Schicksal. Von den Werbemillionen einer Maria Höfl-Riesch können die meisten nur träumen. Erfolgreiche Biathleten erzielen in einer Weltcup-Saison ebenfalls passable Preise. Rund 50000 Euro kostet die kleine Werbefläche auf dem Gewehrschaft, etwa 15000 Euro ein Eckchen auf dem Trageriemen, 100000 Euro zahlen Werbepartner für den Platz auf der Mütze der treffsicheren und schnellen Athleten. Für viele werden solche Summen allerdings auf ewig ein Traum bleiben.

Zum Originalartikel der FAZ.