Tennis: Neue Konstellation, neuer Schwung?

Die erfolgreichsten Tage des deutschen Tennis sind zwar lange vorüber, durch die Topspieler Alexander Zverev und Angelique Kerber hofft der Deutsche Tennis-Bund (DTB) auf neuen Schwung. Die Aufbruchsstimmung soll kein Geringerer als Tennisidol Boris Becker verstärken, der bereits im August 2017 vom DTB als „Head of Men’s Tennis“ vorgestellt wurde. Welche Auswirkung die Rückkehr von Becker für die Vermarktung der Sportart hat, erklärt Nielsen-Sports-Experte Pascal Schulte.

Auch abseits richtungsweisender Neuerungen im sportlichen Bereich wie der Einstellung neuer Bundestrainer und ein verbessertes Nachwuchsförderkonzept gibt es im Vermarktungsbereich Erfolge zu vermelden. So konnten neue Sponsoren wie Ballpartner Wilson hinzugewonnen werden, zudem wurden bestehende Verträge wie beispielsweise mit Ausrüster Erima oder Porsche im Frauenbereich verlängert.

Pascal Schulte,  Vice President Sales Operations & Account Management von Nielsen Sports sieht im Tennis in Deutschland noch enormes Potenzial:

„Tennis ist nach wie vor ein schlafender Riese . Bei der ohnehin treuen Fangemeinde gibt es eine große Potenzialgruppe, bei der schon ein kleiner Impuls ausreichen könnte, um sie wieder stärker für die Sportart zu begeistern“.

Dass Tennis-Deutschland von der Landkarte der ganz großen Nationen verschwunden ist, liegt laut Schulte auch an dem hierzulande beispiellosen Erfolg der Sportart in der Vergangenheit.

„Für den Tennissport heute ist es etwas undankbar, dass er häufig an einer Zeit gemessen wird, in dem der herausragende Erfolg einzelner Akteure wie Boris Becker, Michael Stich oder Steffi Graf zu einem beispiellosen Hype einer Sportart geführt hat.“

Hoffnungsvollster Athlet, um den erwähnten Riesen zu wecken, ist Alexander Zverev. Der 21-Jährige ist in der erweiterten Weltspitze, die um die Grand-Slam-Titel mitspielen kann. Im Gegensatz zu der 30-jährigen Topspielerin Angelique Kerber könnte Zverev dem Tennis hierzulande den ersehnten Push geben. Zudem seien laut dem Nielsen-Experten Konzepte gefragt, die das Tennis langfristig insbesondere für jüngere Zielgruppen wieder attraktiver machen.

„Nach ihren Erfolgen 2016 hat Kerber 2017 leider eine Konstanz vermissen lassen und der Effekt verpuffte. Gewinnt aber Alex Zverev etwa in Wimbledon, so ist Tennis schnell wieder unter den Top-5 der beliebtesten Sportarten in Deutschland. Um Tennis wieder langfristig in der Spitzengruppe der beliebtesten Sportarten zu etablieren, benötigt es aber ein konstant hohes Leistungsniveau von echten Spielertypen, die auch außerhalb des Platz faszinieren“. 

info

Der Artikel erschien im Fachmagazin SPONSORs (Veröffentlichungsdatum: 13.04.2018 / Printausgabe Mai 2018).